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O2 Trainer von Bas Rutten – Mehr Power für dein Training?

O2 Trainer – die Erfindung von MMA Kämpfer Bas Rutten kann dir dabei helfen, deine Leistungen im Sport, im Beruf und/oder im Alltag zu optimieren.

Dieses kleine Trainings-Tool gibt dir eine variable Möglichkeit, deine Atemmuskulatur zu trainieren, um dadurch mehr „Dampf auf dem Kessel“ zu haben.

In diesem Artikel erfährst du mehr über die Funktionsweise des O2 Trainers und wie er sich von anderen Atem-Trainings-Tools wie insbesondere Masken deutlich abgrenzt.

O2 Trainer, klein aber oho?

Bevor wir auf die Besonderheiten des Bas Rutten O2 Trainer eingehen, schauen wir uns kurz den Vorgang des Atmens an.

Die nachfolgenden Bilder zeigen dir eine einfache Darstellung der Einatmung (= Inhalation/Inspiration) und der Ausatmung (= Exspiration), das (orange) Zwerchfell (= grch. Dia/phragma, für grch. dia = hindurch und grch. phragma = Zaun) sowie den rechten und linken Lungenflügel.[1]

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Zwischen beiden Lungenflügeln, weiter links gelegen, liegt dein Herz (nicht im Bild). Deshalb ist der linke Lungenflügel etwas kleiner als der rechte (aus der Egoperspektive betrachtet!)

Die blau/rot dargestellte Luftröhre (Trachea von grch. trachys = rauh)[2] verbindet die Lungenflügel mit den oberen Atemwegen.

Um nachvollziehen zu können was Bas Ruttens O2 Trainer von anderen Geräten – insbesondere Trainings-Atemmasken – unterschiedet und wie sich der Einsatz auf deinen Organismus auswirkt, steigen wir noch etwas tiefer in den physiologischen Vorgang des Atmens ein.

Die nachfolgende Grafik gibt dir einen recht detaillierten Überblick über das Atemsystem. Die Begriffe sind alle auf Englisch aufgelistet, diejenigen die relevant sind, habe ich ins Deutsche übersetzt!

Lungen

Zwerchfell (engl. „Diaphragm“; hier ebenfalls orange dargestellt), Lungenflügel (engl. „Main bronchi (right and left)“) und die Luftröhre (engl. „Trachea“) kennen wir bereits.

Atemluft – Wie viel Dampf ist auf deinem Kessel? 

Wenn du normal ausatmest, verbleibt trotzdem immer eine Restluftkapazität – die sog. funktionelle Residualkapazität (ca.3l)in deiner Lunge, u.a. um die Lungenflügel vor dem Kollabieren zu bewahren (siehe Grafik).

Atemvolumina

Die Grafik zeigt dir einen „normalen“ Atemvorgang, bei dem durchschnittlich etwa 0,5l Atemluft eingeatmet (=Atemzugvolumen, grün dargestellt) und wieder ausgeatmet werden. In diesem Beispiel gehen wir von einer maximalen Lungenkapazität (=Totalkapazität von sechs Litern aus).

In der Luge verbleiben nach dem „normalen“ Ausatmen also noch etwa drei Liter Luft (=Funktionelles Residualvolumen).

Würde man nach dem „normalen“ Ausatmen noch forciert weiter ausatmen, so könnte man zusätzlich zu den etwa 0,5l etwa noch weitere 1,5l ausatmen (exspiratorisches Residualvolumen), bis man sein natürliches max. Ausatemvolumen erreicht hat und nur noch das Residualvolumen (Kalloapsvolumen + Minimalvolumen) in der Lunge verbleibt.

Wie bereits erwähnt, bewahrt das Kollapsvolumen die Lunge davor „zusammenzuklappen“.

Totraum-  vs. alveoläre Ventilation 

Beachte: Lunge ist die Bezeichnung des gesamten Organs. Die Bronchien (Lungenäste) liegen also nur IN der Lunge (siehe rechtes Bild). Stelle dir bildlich und vereinfacht die Bronchien wie das verzweigte Astsystem eines Baumes vor (siehe Grafik linkes Bild).

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Die Bronchien werden in einzelne Bronchiallappen (engl. „lobar bronchus“) aufgeteilt.

So weist der rechte Lungenflügel insgesamt drei Bronchiallappen (oberer, mittlerer, unterer = engl. „superior, middle, inferior“) auf, der linke Lungenflügel zwei Bronchiallappen (oberer, unterer = engl. „superior & inferior“) auf.

Die Luftröhre (Trachea) und die Bronchien sind also am Atemvorgang beteiligt, nicht aber am Gasaustausch!

Ihre (Luftröhre) Hauptaufgabe liegt u.a. in der Reinigung der eingeatmeten Luft (von Staub oder z.B. Mikroorganismen) sowie der Erwärmung der Atemluft und der Wasserdampfsättigung.

Da Luftröhre und Bronchien (genau wie Nase, Rachen und Kehlkopf) nicht am Gasaustausch beteiligt sind, bezeichnet man den Vorgang des Einatmens in diesen Bereichen als Totraumbelüftung/-ventilation/-volumen.

Als alveoläre Ventilation (lat. Alveolus = Demin. von alveus = Mulde, Wanne, Vertiefung; hier: Lungenbläschen)[3]hingegen bezeichnet man den Gasaustausch der Lunge mit der Umgebungsluft ( also von Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2)).

Stelle dir die Alveolen (Lungenbläschen) bildlich wie eine Weintraubenrebe vor (siehe Bild).


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Darüber, wie viel von der eingeatmeten Luft quasi als Totraumbelüftung „verloren“ geht, und wie viel tatsächlich für einen Gasaustausch der alveolären Ventilation zur Verfügung steht, entscheidet die Einatmungstiefe bzw. das Atemzugvolumen (siehe Grafik weiter oben).

Geregelt wird der Atemgasaustausch durch das Atemzentrum des Hirnstamms, der sich an Blutgaswerten orientiert.

Die äußere Atmung tauscht Atemgase mit der Umwelt aus (Sauerstoff, Stickstoff, Kohlendioxid), die innere Atmung mit dem Zellstoffwechsel.

Mehr über die innere Atmung (=Zellatmung der Mitochondrien) erfährst du in meinem Artikel über Mikrostrom.

Ein- und Ausatmen mit dem 02 Trainer –  Training der Atemmuskulatur 

Der Bas Rutten 02 Trainer ist – wie bereits erwähnt – dafür konzipiert, deine Atemmuskulatur und indirekt auch die Atemhilfsmuskulatur zu trainieren.

Bei der durch die Einatmung sich kontrahierende (zusammenziehenden) Atemmuskulatur (Zwerchfell senkt sich, Rippenmuskulatur hebt Brustkorb an) wird das Lungenvolumen vergrößert. Dies lässt den Druck sinken und Luft strömt in die Lunge.

Entspannen sich die Atemmuskeln beim Ausatmen wieder, kann sich die Lunge in ihre Ausgangsstellung zurückziehen, das Volumen in der Lunge sinkt, der Druck steigt, Luft kann ausströmen. Der Vorgang kehrt sich also um.

Zur Atemmuskulatur gehören:

  • Zwerchfell (Diaphragma)
  • Zwischenrippenmuskulatur (Intercostalmuskeln; lat. inter = zwischen; lat. costa = Rippe = grch. pleura)

Zur Atemhilfsmuskulatur gehören:

  • Kopfwender (M. sternocleidomastoideus)
  • Sägezahnmuskeln (Mm. serrati)
  • Brustmuskeln (Mm. pectorales)
  • Treppenmuskeln (Mm. scaleni)
  • Trapezmuskel (m. trapezius)

Bas Rutten – der Mensch hinter dem O2-Trainer 

Bas Rutten, der eigentlich Sebastian Rutten heißt, ist ein 1965 in den Niederlanden geborener ehemaliger Mixed Martial Arts (MMA) Kämpfer. Mittlerweile lebt er im Bundesstaat Kalifornien in den USA und arbeitet dort als Kommentator und Schauspieler.

Einem breiteren Publikum ist Rutten wohl hauptsächlich aus Serien wie „King of Queens“, „Kevin can Wait“ bekannt – in denen er immer mal kleinere Gastauftritte hatte – oder aus dem Film „Das Schwergewicht“ (Originaltiel: „Here comes the boom“) mit Komiker Kevin James.

Rutten litt nach eigenen Angaben lange Zeit an Asthma.[4] Im Zuge dieser Erkrankung und durch sein jahrzehntelanges Trainings-Know-How aus den unterschiedlichen Kampsportarten (darunter u.a. Thai-Boxen, Teakwondo und Kyokushin-Karate) entwickelte er den O2-Trainer.

bas rutten flyer

Der O2 Trainer simuliert kein Höhentraining! 

Der O2 Trainer ist kein Apparat, um das Training unter Sauerstoffmangel – auch bekannt als Höhentraining – zu simulieren. Das ist aber auch nicht seine Aufgabe und von Rutten so nicht angedacht und beabsichtigt.[5]

Der O2 Trainer soll dazu dienen, gegen einen Widerstand ein- aber widerstandslos auszuatmen, damit sich die Lungen (bis auf das Reservevolumen) möglichst vollständig entleeren können.

Ziel ist es dabei, die Atemmuskulatur (insb. das Diaphragma & die Intercostalmuskulatur) zu trainieren.

Rutten erläutert:

Fatique makes cowards out of men[6] auf Deutsch etwa: „Ermüdung macht aus Männern Feiglinge“.

Dies bezieht sich auf eine Situation im Kampf, wenn man nicht mehr in der Lage ist, z.B. seine Deckung aufrecht zu erhalten oder einfach kein „Benzin mehr im Tank“ ist und man anfängt zu schwächeln.

Wie funktioniert’s? 

Der O2 Trainer besitzt ein Mundstück, das einem Schnorchel ähnlelt.  Dazu gibt es (aus Ego-Perspektive) einen Lufteinlass auf der rechten Seite und ein Auslassventil auf der linken Seite. (siehe Bilder).

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Der O2 Trainer kommt mit insgesamt 14 auswechselbaren Lufteinlässen, die von 0 bis 14 im Durchmesser immer kleiner werden. Dazu gibt es eine als Option nutzbare Nasenklammer (die im Grunde aber nicht zwingend benötigt wird).

Die immer kleineren Lufteinlässe restriktiveren (behindern) dann das Einatmen, ermöglichen aber ein widerstandsfreies Ausatmen. Genau darin liegt dann auch der kleine aber feine Unterschied zu Trainings-Masken.

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Denn diese erschweren auch das Ausatmen, was dazu führt, dass immer Luft in den Lungen verbleibt, die eigentlich ausgeatmet hätte werden können.

Rutten empfiehlt mit dem O2 Trainer zweimal täglich Atemübungen durchzuführen bei denen man 30-mal komplett ausatmet und dann mithilfe des O2 Trainers explosiv kontrolliert einatmet. (siehe Video)

Dies kann dann für (Kampfsportler) idealer Weise sechs-acht Wochen vor einem Wettkampf eingesetzt werden, um für optimierte Atmung/Sauerstoffversorgung zu sorgen.

Natürlich kann der O2 Trainer auch (zusätzlich) während jeder anderen sportlichen Betätigung eingesetzt werden.

Fazit/Conclusio 

Der Trend, Atemmasken fürs (Kraft)Training zu verwenden, ist derzeit ein echter Hype. Die Frage ist, ob man den O2 Trainer von Bas Rutten überhaupt in einen Topf mit diesen Masken werfen kann/sollte.

Denn zum einen ist der O2 Trainer keine Maske, und zum anderen grenzt er sich deutlich durch seine Funktion von Trainingsmasken ab!

Da ich neuen Trainingsutensilien, Techniken usw.  zwar immer offen – aber mit gesunder Grundskepsis – begegne, hatte ich mich eingangs auch hier gefragt, ob bzw. wie (schnell) man tatsächlich sichtbare bzw. spürbare Ergebnisse damit erzielen könne.

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Ich muss gestehen, dass ich wirklich positiv überrascht bin, insbesondere auch über die Schnelligkeit, mit der man die tiefere Atmung spüren kann.

Eine tiefe – sogenannte „Bauchatmung“-  ist immer sinnvoll, denn sie ermöglicht dir deine Lungenflügel bis in die Spitzen zu nutzen. Die meisten Menschen atmen viel zu flach und nutzen vermutlich  nie ihr komplettes Lungenvolumen.

Tieferes Atmen ist also nicht nur beim Sport von Vorteil, sondern auch in allen anderen Lebenslagen. 

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 Literatur zum Thema

[1] Vgl. Lateinisch-griechischer Wortschatz in der Medizin, Becher et al., 1991, S. 68.

[2] Vgl.  Trachea (Substantivierung des Adjektivs aus der grch. Fügung he tracheia arteria „die rauhe Arterie“, d.h. die Luftröhre, von der die Schlagader als he leia arteria „die glatte Arterie“ unterschieden wurde). Lateinisch-griechischer Wortschatz in der Medizin, Becher et al., 1991, S. 230.

[3] Vgl. Lateinisch-griechischer Wortschatz in der Medizin, Becher et al., 1991, S. 36.

[4] Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=zR5UxdWK_YU, Zugriff v. 25.1.18.

[5] Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=zR5UxdWK_YU, Zugriff v. 25.1.18.

[6] Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=XFbmNhbVZaA  , Zugriff v. 7.2.18


Anmerkung: Aus rechtlichen Gründen will/muss ich darauf hinweisen, dass auch dieser Blogartikel keine ärztliche Behandlung, Diagnose, Heilaussagen oder Handlungsempfehlung darstellt. Er gibt lediglich meine eigenen Erfahrungen/Ansichten wieder und dient ausdrücklich nur zu Informationszwecken!

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